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29. November

Es regnet hier sehr viel. Heute Nacht hat es oft richtig geschüttet. Allerdings ist es nicht kalt, wir sind wohl so etwa bei 25 Grad.

Gestern beim Abendessen ging plötzlich das Licht aus und wir saßen im Finstern – kein Strom mehr. Gott sei Dank stehen hier überall Kerzen parat, die dann sofort angezündet werden können. Auch das Wasser wurde in der Nacht abgesperrt, aber man kann es sich noch in Eimern aus dem Regenwassertrog holen.

Die Vesper gestern und die Laudes heute wurden in Malgasch gesungen, die Oration, Lesungen, Fürbitten und das Vater-unser sind französisch. Mittagshore und Non sind in Französisch. Was mir gut gefällt: die Oration ist hier gleich nach dem Invitatorium oder dem Hymnus, und ganz am Schluss des Offiziums steht das „Vater unser“ mit Gesten und der großen Doxologie (und eben keine Oration mehr und kein Segensgebet). Auch die Messe heute war alles Malgasch, außer eine Lesung, die Sr. Raphaeliah gehalten hat. Hier ist nur eine alte Frau als Gast bei der Messe. Es ist nicht so, dass, wie in Tulear oder Fianarantsoa, alles voll ist auch unter der Woche. Der Konvent hier kommt mir vor wie der Konvent von Bellemagny vor etwa 15 Jahren, als die ersten madagassischen Schwestern dazukamen: überaltert und nicht mehr in der Lage, das Kloster aus eigener Kraft (mit den eigenen Schwestern) zu erhalten.

Heute beim Frühstück erzählte uns M. Marie-Berthe, dass diese Gegend hier eine Zyklon-Gegend ist. Jedes Jahr (etwa Dezember bis März) hat man hier Zyklone, die die Früchte von den Bäumen reißen, die Häuser abdecken etc. deswegen bauen die Leute hier nur parterre. So braucht man nur das Dach, das weggerissen ist, erneuern, der Rest bleibt meistens stehen.
Auch ohne die Zyklone hat man hier Schwierigkeiten mit Überschwemmungen. Wenn es im Hochplateau viel regnet, fließt alles über die Flüsse ab hierher an die Ostküste. Die Reisfelder des Klosters z.B. sind etwa dreimal im Jahr überschwemmt und man beginnt wieder von vorne mit anpflanzen etc. So ist man hier (nicht nur die Schwestern, sondern auch die Bevölkerung) insgesamt „decouragé“, also entmutigt, weil auch die klimatischen Umstände sehr schwierig sind.

Letztes Jahr (2016) war hier eine Trockenheit, es hat drei Monate lang nicht geregnet. So sind dem Kloster die Litschis, die Orangen, der Reis, etc. kurz gesagt die ganze Ernte vertrocknet. Das ist ganz außergewöhnlich, und man meint, es ist eine Folge des Klimawandels, und befürchtet, dass das jetzt womöglich noch öfter kommt.

Am Vormittag besuchen wir das Kolleg der Jesuiten, das nur etwa 200m von hier entfernt ist. P. Andry, der am Morgen auch die Messe mit uns Schwestern gefeiert hat, führt uns durch die Schule und durchs Gelände. Hier werden 1075 Schülerinnen und Schüler unterrichtet bis hin zum Bac, es ist auch eine ecole maternelle (= Kindergarten mit Krippe) dabei. Man hat hier jeweils drei Klassen pro Jahrgang, die Mindestschülerzahl ist 33, maximal sind 45 Schülerinnen und Schüler in einer Klasse. 

In einer Klasse mit älteren Schülern (ich schätz etwa 10. Klasse) stellen wir uns vor und kommen kurz mit ihnen ins Gespräch. Alle sind sehr aufgeschlossen und interessiert, wer wir sind und was wir hier wollen. Sie grüßen uns dann auch in Deutsch und in Englisch.

P. Andry sagt, dass dies die beste Schule in Mananjary ist, und dass deshalb auch die Reichen ihre Kinder hierher schicken. Man muss Schuldgeld bezahlen. Für die etwa 100 Kinder, die zu arm sind, gibt es Wohltäter, die die Kosten übernehmen. Die sechs Jesuitenpatres sind seit 2004 hier. Sie haben die Schule von den Patres der „Doctrine chretienne“ übernommen. Sie sind gerade dabei, sich ein Konventgebäude zu bauen für bis zu 12 Patres bzw. Brüder. Zurzeit wohnen sie noch in Klassenräumen der Schule.
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Anschließend besuchen wir etwa 2 km außerhalb von Mananjary eine Wallfahrtskirche für Jugendliche, daneben ist das Haus des Generalvikars, aber der ist zurzeit nicht da. Neben der Kirche ist eine Einrichtung der „Carmelites mineures de charité“, eine Schwesternkongregation, die in Madagaskar mehrere Häuser hat und deren Charisma die Sorge für behinderte Kinder ist. Hier im Haus leben 5, doch bald nur noch 4 Schwestern und 19 – 23 körperlich und geistig behinderte Kinder. Als wir ins Haus kommen ist die Leiterin der Gemeinschaft grade vor dem Allerheiligsten mit etwa vier Kindern bei der Anbetung (zwei im „Rollstuhl“ und eins auf einer Liege). Das Haus ist super sauber, ordentlich und relativ „teuer“ eingerichtet, bekommt wohl viele Spenden. Wir schauen uns die Zimmer der Kinder an (siehe Fotos). Wir bekommen, Kaffee, Tee und Kekse und unterhalten uns mit der Schwester. Das Noviziat der Kongregation ist in Tana, zurzeit haben sie sieben Novizinnen. Schon als Aspirantinnen müssen sie ein Praktikum bei den Behinderten machen, damit sie wissen, was auf sie zukommt. Im Noviziat ist die Ausbildung dann nur die Formation für das Ordensleben. Die Schwester erzählt uns, dass die Eltern ihre Kinder nicht zu ihnen bringen, sondern dass die Schwestern in die Häuser gehen und die behinderten Kinder suchen. Es gibt hier sehr viele Kinder mit „Wasserkopf“, hier in der Einrichtung sind drei.

Beim Mittagessen erzählt uns M. Jeanne, dass hier im Kloster auch der Diebstahl ein großes Problem ist. Immer wieder verschwinden alle Hühner mitsamt den Futtersäcken, auch die Batterien von der Photovoltaik wurden schon einmal gestohlen (wobei das Haus in Brand gesetzt wurde). Letztes Jahr zu Weihnachten wurden alle Hühner gestohlen und die zwei Truthähne, die man dafür gefüttert hat. Man hat hier zwar einen Gardian (einen Hausmeister/Wachmann), aber der hat „nichts bemerkt“. Oft stecken die Wachleute oder Hausmeister mit den Dieben unter einer Decke und teilen sich die Beute. Vor allem auch die Vanille wird gestohlen, aber nicht nur bei den Schwestern, sondern überall hier von den Feldern der Bauern. Mit Vanille lässt sich gutes Geld machen.

Übrigens bauen die Schwestern hier auch Kaffee an, den sie dann rösten. Das ist der Kaffee, den wir hier zu trinken bekommen („echter Kaffee“ sagen sie). Schmeckt irgendwie anders als bei uns, aber man gewöhnt sich dran. Auf jeden Fall hat er auch Koffein, und man muss aufpassen, dass er nicht zu stark ist. Bei den Madagassen trinken allerdings die wenigsten Kaffee, sie trinken Wasser pur, oder Milch oder Tee. Bei den Assomptionisten hatten wir immer das heiße Reiswasser vom Abkochen des Reises, das schmeckt recht gut.

Am Nachmittag haben wir ein zweistündiges Gespräch mit den drei Priorinnen der Benediktinerinnen von St. Bathilde (= Benediktinerinnen von Vanves) hier in Madagaskar: Sr. Jeanne (Priorin von Ambositra), Sr. Marie-Jeanne (Priorin von Joffre Ville) und Sr. Marie-Berthe (Priorin hier in Mananjary). Wir tragen unsere Gedanken zusammen und reflektieren gemeinsam, was es konkret bedeutet, falls unsere Kongregation hier in Mananjary gründen würde (evtl. Schwierigkeiten, Vorteile, etc.). Das erste, was sie uns sagen, ist, dass sie noch nicht mit dem Bischof über alles gesprochen haben und gar nicht genau wissen, was er dazu meint. Wir hoffen, dass wir ihn morgen (Donnerstag) noch treffen können. Er musste überraschend nach Reunion, kommt aber angeblich am Donnerstag wieder von Tana nach Mananjary.

Diesmal fällt der Strom schon bei der Vesper aus, aber hier in der Kirche haben die Schwestern ein Notstromaggregat, sodass sich gleich die Ersatzlichter einschalten und wir weiterbeten können.
Beim Abendessen haben wir ein langes Gespräch über die Sicherheit auf den Straßen hier in Madagaskar, insbesondere zwischen Fianarantsoa und Ambositra und insbesondere in der Nacht. Die Schwestern erzählen Gräuel-Geschichten von Banditenüberfällen auf Autos und Taxi-Brusse, bei denen auch die Polizei und die Chauffeure mit den Banditen kooperieren. Oft ist es „nur“ ausrauben und verprügeln, manchmal auch Mord…

30. November

Heute ist auch eine Schwester der benachbarten Kommunität der „Soeurs de St. Jean Delanoe“ bei der Messe. Wir haben anschl. Ein kurzes Gespräch mit ihr. Sie heißt Sr. Hélène und arbeitet im College der Jesuiten in der ecole maternelle (= Kindergarten). Sie sind insgesamt vier Schwestern in der Gemeinschaft. Eine versorgt den Bischof, die Evequerie ist ja nicht weit, eine arbeitet in der Stadt, um Geld zu verdienen, eine macht den Haushalt, und dann haben sie zurzeit eine Postulantin.

Eben hatte ich einen kurzen „Ratsch“ mit Sr. Benedicte, eine junge Schwester mit ewiger Profess aus Joffre Ville. Sie ist erst seit zwei Wochen hier zum aushelfen (für zwei Jahre). Mit ihr ist auch eine Schwester aus Ambositra gekommen (auch jung und mit ewiger Profess). Sr. Benedicte erzählt, dass sie 2013/2014 in Vanves war und richtet mir Grüße an Sr. Gisela Happ aus. Sie erzählt auch, dass die Benediktinerinnen von Vanves auf dem Generalkapitel beschlossen haben, sich gegenseitig zu unterstützen und Schwestern in andere Gemeinschaften zu schicken für zwei Jahre, deswegen ist sie jetzt hier. Sie hilft zurzeit in der Küche (Essen hier: sehr gut! Ein bisschen europäisch angehaucht).

Am Vormittag holt uns Père Jean-Yves Lhomme (ein Pater der „Mission etrangers de Paris“) ab, um uns sein Hospital zu zeigen. Etwa 5 km außerhalb von Mananjary baute er hier auf einem 10 Hektar großen Areal ein Krankenhaus nach europäischen Standards. Vor 10 Jahren hat er hier begonnen mit der Einebnung des Geländes (alles per Hand, Maschinen gibt es hier nicht) und er meint, Ende 2018 wird er hier fertig sein. Er erklärt uns ein wenig, was es heißt, hier am „Ende“ Madagaskars ein Hospital nach europäischen Standards einzurichten (für die Sterilisierung der Geräte, Räume etc., für die Klimatisation, für die Belüftung der Operationssäle etc.) Er hat viele Freunde und freiwillige Mitarbeiter, die immer wieder für bestimmte Zeiten aus Europa kommen, um mitzuhelfen. Zurzeit ist z.B. auch ein Fachmann für Kläranlagen da, weil eine biologische Kläranlage wie man sie in Frankreich hat, hier gebaut wird. Auch einen Elektriker von den „Electriciens sans frontieres“ treffen wir, der mit einheimischen Arbeitern weiter an den Stromleitungen arbeitet. Vor einiger Zeit haben diese „Electriciens sans frontieres“ alle Stromleitungen und Stromkanäle nach europäischen Standards hier eingerichtet. Wasser ist kein Problem: sie haben einen Brunnen gegraben, aus dem reichlich Wasser mit bester Qualität kommt. Der Père beschäftigt hier auch 45 einheimische Arbeiter, die z.B. heute per Hand mit Schaufeln die Grundfesten für ein Schwesternwohnhaus ausbuddeln. Er findet immer wieder Freunde und Wohltäter, die durch Sach- und Geldspenden und durch Mitarbeit helfen, dass das Projekt gedeiht. Natürlich könnte er gut eine Schwesterngemeinschaft hier brauchen, die am Hospital wohnen könnten, es gibt unwahrscheinlich viel zu tun. Das Hospital soll ausdrücklich ein Hospital für die Armen werden, und es muss das Essen gegessen werden, das hier gekocht wird (die Reichen dürfen ihr Essen nicht mitbringen…). Die Armen hier vom Land müssen ja z.B. erst in den Gebrauch von Dusche und Toiletten eingeführt werden. Es gibt nur ganz wenige Einzelzimmer, vor denen haben die Madagassen Angst, das meiste sind 6er und 4er-Zimmer. Soll eine chirurgische Abteilung mit 25 Betten, eine medizinische Abteilung mit 25 Betten und eine Geburtshilfe-Abteilung mit 25 Plätzen für Mütter und Kinder entstehen.
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